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Janusz Korczak
Schule für mehrfachbehinderte Kinder
  Unser Kindergarten
   
 
 


Im Jahr 1977 wurde die erste Gruppe des Kindergartens in unserem Schulhaus eingerichtet. Seit Gründung unserer Schule hatten immer wieder Eltern von noch nicht schulpflichtigen Kindern angefragt, ob wir die Möglichkeit haben, auch ihre noch kleinen Kinder zu betreuen. Mit der Genehmigung des "Schulkindergartens für körperlich und zugleich geistig behinderte Kinder an der Janusz-Korczak-Schule" war der rechtliche Rahmen dafür geschaffen. Der Kindergarten ist für zwei Gruppen genehmigt und wir betreuen Kinder im Alter zwischen 2 und 6 Jahren.

Die Art der Behinderung der Kinder, die unsere Einrichtung besuchen, hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Immer mehr Kinder sind auf Rollstühle und andere Hilfsmittel angewiesen. Das führte zu einer ständig wachsenden Raumnot im Haus in der Goethestraße. Um bis zu einer Vergrößerung des Raumangebotes Platz zu schaffen, zog der Kindergarten im Sommer 1998 in eine Wohnung in der Kirchstraße, einer Parallelstraße der Goethestraße. Der Umzug geschah in der Hoffnung, in ein paar Jahren wieder näher an die Schule heranrücken zu können. Mit dem Kauf des Hauses Goethestraße 29 wurde dieses Ziel konkreter, und seit April 2007 sind wir wieder in der Goethestraße, in einem schönen Raum im Obergeschoss mit viel Platz und der Möglichkeit, die Angebote der Schule nutzen zu können.

Im Kindergarten besteht eine Gruppe in der Regel aus 5 Kindern, die von der Art der Behinderung wie auch vom Alter her unterschiedlich sind. Sie werden betreut von der Gruppenleiterin (Heilpädagogin, Fachlehrerin oder Erzieherin), einer pädagogischen Zweitkraft und einer Praktikantin. Diese hohe Personalausstattung ist für die intensive Betreuung und eine individuelle Förderung der schwer mehrfachbehinderten Kinder notwendig. Finanziert wird der Kindergarten genau wie die Schule vom Oberschulamt und über den Pflegesatz, den der Landeswohlfahrtsverband im Rahmen der Eingliederungshilfe pro Kind bezahlt. Die Übernahme des Pflegesatzes durch den Landeswohlfahrtsverband ist einkommensunabhängig. Vom Personal werden pro Gruppe 1,5 Erzieherstellen durch das Oberschulamt finanziert. Zusätzlich kommen aus diesem Topf auch 2,12 Wochenstunden Krankengymnastik pro Kind. Die verbleibenden Aufwendungen für das Personal werden über den Pflegesatz finanziert.

Der Kindergarten ist wie die Schule von Montag bis Donnerstag von 9:00 bis 15:30 Uhr und freitags von 9:00-12:15 Uhr geöffnet. Die Ferienzeiten entsprechen denen der Schulen. Damit den Eltern auch in den Ferien Betreuungszeiten für ihre Kinder angeboten werden können, wurde von der Schule die Tagesbetreuung geschaffen. Diese Gruppe ist an jedem Werktag in den Ferien geöffnet. Ziel unserer Arbeit ist es zunächst, dem Kind eine vertraute und angenehme Umgebung zu schaffen. Es sollen sich tragfähige Beziehungen zwischen dem Kind und den Betreuerinnen, aber auch zwischen ihm und den anderen Kindern der Gruppe entwickeln. Die Kinder sollen mit der neuen Situation, den fremden Menschen und Räumen vertraut werden. Für sie ist es ja in der Regel der erste Schritt hinaus aus dem Elternhaus. Die Kinder haben natürlich schon Erfahrungen mit Pädagogen und Therapeuten, aber Frühförderung und Krankengymnastik fanden meist zu Hause oder zumindest im Beisein der Mutter statt.

Um den Kindern den Eintritt in den Kindergarten zu erleichtern, werden sie in den ersten Tagen von ihrer Mutter begleitet. So kann sie den Betreuerinnen persönlich wichtige Informationen über die Vorlieben und Abneigungen sowie über spezielle Pflege- und Ernährungsbedürfnisse geben. Der Austausch mit den Eltern und die Beziehung zwischen dem Kind und uns sind die Basis für unsere Arbeit. Darauf aufbauend versuchen wir, die körperliche, emotionale und geistige Entwicklung des Kindes anzuregen und zu fördern. Dies geschieht in Einzelsituationen und in Kleingruppen. Die Arbeit fußt unter anderem auf den Methoden der Basalen Stimulation und Kommunikation, auf Krankengymnastik nach dem Bobath-Konzept und auf der Feldenkrais-Methode. Wichtige Aufgaben liegen für die Mitarbeiter im Bereich der Mundmotorik und der Nahrungsaufnahme der Kinder. Darüber hinaus werden die Methoden und Konzepte herangezogen, die es in der konkreten Situation ermöglichen, den individuellen Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden. Begleitend zur Förderung wird eine intensive Elternarbeit angeboten. Neben Elterngesprächen und Elternabenden werden auch gemeinsame Feiern oder Ausflüge organisiert. Den Eltern steht für ihr Kind die ganze Bandbreite des Familienentlastenden Dienstes des Trägervereins zur Verfügung. Wir wünschen uns, dass sich die Eltern auch als Mitglied des Trägervereins verstehen und die Möglichkeit wahrnehmen, unsere Einrichtung mitzugestalten.

Als ich 1984 noch als Student mein erstes Sommerfest an der Janusz-Korczak-Schule besuchte, beobachtete ich ein Gespräch. Die Mutter einer älteren Schülerin sprach mit dem Vater eines kleinen behinderten Kindes, das sie noch nicht kannte. Sie erfuhr, dass es in den nächsten Wochen in den Kindergarten aufgenommen werden sollte. Dies erinnerte sie daran wie es war, als sie zum ersten Mal mit ihrer damals noch kleinen Tochter das Schulhaus betrat. Sie erzählte von der Verunsicherung, die durch die vielen behinderten Kinder und deren fremdartiges Verhalten ausgelöst wurde. Zu akzeptieren, dass dies nun der Platz für ihre Tochter sein würde, sei ihr damals nicht leicht gefallen. Bei dieser Begegnung beeindruckte mich, wie die Mutter den jungen Vater begrüßte und mit ihrer Offenheit einen Rahmen schuf, in dem er über seine Erwartungen und Sorgen sprechen konnte. Oft habe ich von Eltern gehört, dass sie beim ersten Besuch in unserer Gruppe ähnliche Gedanken hatten. Natürlich versuchen wir Mitarbeiter mit den Eltern darüber zu sprechen. Wichtig ist für uns aber auch, bald Kontakt zu anderen Eltern herzustellen. Dadurch entsteht eine Möglichkeit, sich mit Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, auszutauschen und gemeinsam für ihre Kinder und die Einrichtung aktiv zu werden. Dies hat vielen Familien den Einstieg in den neuen Lebensabschnitt ihres Kindes erleichtert.

Andreas Wand
Leiter des Kindergartens




 

 

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