Fast
alle unsere Schul- und Kindergartenkinder haben körperliche Behinderungen und benötigen bei der Entwicklung ihrer Bewegungsmöglichkeiten Unterstützung. Daher hat die
Förderung der motorischen Fähigkeiten ein
sehr großes Gewicht. Wir sehen jedoch die Motorik nicht
als für sich stehende Einheit, sondern immer im Zusammenhang
mit der Persönlichkeit des Kindes, seinen individuellen
Fähigkeiten und Schwierigkeiten im Kontext seiner
Lebenswelt.
Entsprechend
liegt zwar der Schwerpunkt der Arbeit der Physiotherapeutinnen bei der Motorik,bleibt aber nicht darauf beschränkt, sondern begleitet das Kind auch bei alltäglichen Abläufen, um so die motorische Förderung in den Tagesablauf zu integrieren. Zur Zeit arbeiten an der
Janusz-Korczak-Schule sieben Physiotherapeutinnen mit
unterschiedlichen Stundendeputaten. Jede arbeitet fest
in einem Schul- oder Kindergartenteam mit. Dies bedeutet,
dass sich die physiotherapeutische Förderung nicht
darauf beschränkt, die Kinder zu Einzelstunden
aus den Klassen zu holen. In Absprache mit den Klassenteams
gestalten die Physiotherapeutinnen unterschiedliche
Klassenangebote mit, so dass sich die pädagogischen
und motorischen Zielsetzungen ergänzen können.
Dadurch ist es möglich, das Kind in seiner Alltagssituation
mit seinen Bedürfnissen und Wünschen gut kennenzulernen
und so auch in der Einzelsituation gezielt an für
das Kind wichtigen und bedeutsamen Zielen zu arbeiten.
Unsere
Kinder sind mit ihren verschiedenartigen Behinderungen
sehr unterschiedlich und passen nicht in gängige
Schemata. So orientieren sich auch die Physiotherapeutinnen
an offenen Therapiekonzepten wie z. B. dem Bobath-Konzept.
Hier findet sich eine breite Übereinstimmung mit
dem Leitbild der Janusz-Korczak-Schule: Die ganzheitliche
Sichtweise, die gegenseitige Beeinflussung der körperlichen,
motorischen, geistigen und sozial-emotionalen Entwicklung,
die Aufgeschlossenheit des Konzepts für Veränderungen
und Weiterentwicklung, das Ziel der größtmöglichen
Handlungskompetenz und Selbständigkeit und das
Arbeiten in interdisziplinären Teams. Wichtig ist
die Blickrichtung hin zu den Fähigkeiten und Möglichkeiten
der Kinder. Durch vorausschauendes Denken sollen sekundär
auftretende Probleme wie Kontrakturen oder Luxationen
möglichst vermieden werden.
Unter
den Physiotherapeutinnen sind drei Bobath-Therapeutinnen
zwei Feldenkrais-Pädagoginnen und zwei Castillo-Morales- Therapeutinnen. Fortbildungen
werden vom Trägerverein finanziell und auch mit
Freistellungen unterstützt.
Die
Arbeit im interdisziplinären Team erfordert notwendigerweise
viel Bereitschaft zur Kooperation; häufige Besprechungen
im Klassenteam sind unerlässlich.
Hier
wird zum Beispiel gemeinsam überlegt, welche Unterstützung
das Kind bei seinen nächsten Entwicklungsschritten
benötigt. So können sich gezieltes Arbeiten
in der Einzelsituation mit fördernden Unterrichtsangeboten
in der Klasse ergänzen. Dabei muss zum Beispiel
für jedes Kind seine individuellen Ausgangsstellungen
gefunden werden, in denen es am Klassengeschehen möglichst
aktiv und aufmerksam teilnehmen kann.
Dafür
erforderliche Hilfsmittel werden mit den Eltern und
dem Arzt besprochen. Regelmäßig kommen Orthopädietechniker
der verschiedenen Fachrichtungen (Rollstühle, Korsetts,
Fußversorgung etc.) ins Haus, so dass die Anfertigung
und Anpassung der fast immer speziell zugerichteten
Versorgungen in Absprache mit allen Beteiligten erfolgen
kann.
Austausch
findet auch statt mit Therapeutinnen von außerhalb
der Schule, die beispielsweise nach Vojta
arbeiten, mit Logopädinnen oder Manualtherapeuten.
Die
Tätigkeit der Physiotherapeutinnen an der Janusz-Korczak–Schule
ist nur wenig vergleichbar mit dem Alltag in einer normalen
Praxis. Zu vielfältig sind die Aufgabenstellungen,
sehr viel enger ist der Kontakt mit den Kindern und
mit dem Team. Und auch wenn die Schlagworte ´ganzheitlicher Blick aufs Kind´ und `Arbeiten im interdisziplinären Team´ sehr abgegriffen klingen, so treffen sie doch auf unsere Arbeit zu...
Irmi
Josten
Physiotherapeutin
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