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| Hier möchte ich gerne Lehrer
sein ......... |
So war meine erste Reaktion, als ich im November 1974
durch das Haus in der Goethestraße 31 geführt
wurde. Mich beeindruckte die Atmosphäre in diesem
alten Haus in der Wiehre so sehr, dass ich mich, ohne
groß zu zögern, für die Janusz-Korczak-Schule
bewarb. Am ersten Januar 1975 übernahm ich zunächst
kommissarisch und ab 1. März 1975 dann voll die
Schulleitung.
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Was ist diese Janusz-Korczak-Schule
und wie kam es zu ihrer Gründung? |
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Die leidvolle Erfahrung, dass ihre schwerstbehinderten
Kinder keine oder eine nicht ausreichende Förderung
erhalten konnten, führte betroffene Eltern 1971
in Freiburg zusammen. Sie gründeten den Verein
zur Förderung geistig behinderter Kinder e. V.
Ziel des Vereins war und ist die ideelle und materielle
Unterstützung geistig und mehrfachbehinderter Kinder,
um diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu fördern
und ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.
Diese Eltern waren der Überzeugung, dass es keine
schulunfähigen Kinder gibt, sondern dass die meisten
Schulen aus verschiedenen Gründen nicht in der
Lage sind, diese Kinder aufzunehmen. Da die Eltern ihre
Kinder nicht in ein Heim geben wollten, trachteten sie
danach, eine Ganztagesschule zu schaffen, in der dem
erhöhten Pflegebedarf und der speziellen sonderpädagogischen
Förderung Rechnung getragen wird. Alle geistig-
und mehrfachbehinderten Kinder, unabhängig vom
Schweregrad ihrer Behinderung, sollen aufgenommen werden.
Im September 1973 erwarben die Eltern ein Bürgerhaus
aus der Jahrhundertwende inmitten von Freiburg mit Hilfe
der Stadt Freiburg und der Aktion Mensch. Hier wurde
dann eine private "Sonderschule" für
geistig- und mehrfachbehinderte Kinder eröffnet,
die Janusz-Korczak-Schule. Die Schwierigkeiten, unter
denen dies geschah, kann sich heute kaum einer mehr
vorstellen - Frau Schwarting beschreibt sie eindrücklich.
1980 - 1982 wurde das Schulhaus behindertengerecht umgebaut.
Die Janusz-Korczak-Schule mit dem angegliederten Schulkindergarten
hat heute mit ihren 44 behinderten Kindern und Jugendlichen
aus Freiburg und den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald
und Emmendingen einen festen Platz in der Region.
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Janusz Korczak und unser pädagogisches
Konzept |
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Die Eltern
benannten die Schule auf Anregung des ersten Schulleiters
Helmut Senf nach dem polnischen Arzt, Pädagogen
und Humanisten JanuszKorczak, der in Warschau im
Ghetto ein Waisenhaus leitete und zusammen mit den
Kindern in die Gaskammer von Treblinka ging. Wir
werden oft gefragt, ob wir nach der Janusz-Korczak-Methode
arbeiten würden. Wir halten es hier wie Korczak
selbst: es gibt nicht die Methode, sondern das Kind
selbst steht im Mittelpunkt und zwar nicht so, wie
es sein soll, sondern so, wie es ist. In Korczaks
Pädagogik geht es im Wesentlichen darum, dem
Menschen zu seinem Recht auf sich selbst zu verhelfen,
ganz gleich wie alt, verkümmert, unterdrückt,
behindert oder wie belastet er ist. Er war überzeugt
davon, dass die Kinder einen absoluten Wert darstellen;
nicht im Hinblick auf die Zukunft, auf einen Nutzen
für jedermann oder irgend etwas, sondern einen
Wert an sich. Seine wichtigste Devise, und die schlägt
sich auch in seinen Büchern nieder, war die
Achtung vor dem Kind, eng verbunden mit einer großen
Liebe zu ihm. So gesehen ist auch unser Leitbild,
das behinderte Kind in seinem Sosein anzunehmen
- vollständig, liebenswert. Unser Augenmerk
gilt nicht den Defiziten, sondern den vorhandenen
Fähigkeiten. Wir messen das Kind an seinen
eigenen Möglichkeiten und nicht an allgemeinen
Normen. Unsere Förderung soll dem Kind helfen,
sich in seiner Persönlichkeit weiter zu entwickeln
und zu entfalten, selbständiger und selbstbestimmter
zu werden. Das bedeutet für unsere Schule und
unseren Kindergarten:
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Aufnahme jedes Kindes, unabhängig vom Schweregrad
seiner Behinderung |
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- bedingungslose Annahme jedes
Kindes in seiner Behinderung.
- individuelle Förderung
- verstärkte Elternarbeit
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Orientierung nach dem Lehrplan für geistig
Behinderte, wobei das Unterrichtsangebot im Wesentlichen
folgende Lernbereiche umfaßt: |
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- basale Förderung -Selbstversorgung
- Umwelterfahrung -Sozialverhalten und Kommunikation
- Spiel und Gestaltung
- Arbeit und Freizeit
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Die religiöse Erziehung
und die musische Erziehung sind Bestandteil des gesamten
Unterrichts und haben einen hohen Stellenwert. Der Klassenlehrer
ist die wesentliche Bezugsperson. Er arbeitet über
mehrere Jahre mit dem Kind zusammen und wird durch pädagogische
Zweitkräfte und Praktikant/innen unterstützt.
Sechs Krankengymnastinnen, eine Beschäftigungstherapeutin
und eine Rhythmiklehrerin fördern Kindergartenkinder
und Schüler im motorischen Bereich und sind für
die Arbeit in unserer Einrichtung unverzichtbar geworden.
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Bald schon kamen Eltern zu uns, deren Kinder jünger
als sechs Jahre waren und baten um Aufnahme. Die Erkenntnis,
dass gerade die frühe Förderung für die
Kinder sehr wichtig ist, setzte sich immer mehr durch.
Im Jahre 1977 erhielten wir dann die Genehmigung zur
Einrichtung eines Schulkindergartens für körperlich
und zugleich geistig behinderte Kinder. Mittlerweile
besuchen 10 Kinder in zwei Gruppen unseren Schulkindergarten.
Wir sind in der Lage, nun bereits Kinder ab dem zweiten
Lebensjahr aufzunehmen. Vielen Eltern gibt es Sicherheit
und Beruhigung, wenn sie wissen, dass ihr Kind praktisch
vom 2. bis zum 24. Lebensjahr in der Janusz-Korczak-Schule
bleiben kann.
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Wesentlich für unsere Arbeit ist das gegenseitige
Vertrauen zwischen Eltern, Kindergarten und Schule,
da dieses sich auch auf die Kinder überträgt.
Die Beziehung zwischen den Klassenlehrer/innen und den
Eltern wird durch regelmäßige schriftliche
und telefonische Informationen, durch Hausbesuche der
Lehrer/innen sowie durch Besuche der Eltern in der Klasse
gefestigt. Bei diesen Besuchen wie auch bei Elternabenden
können Erziehungsziele und Förderansätze
miteinander besprochen werden. Der Kontakt wird zusätzlich
durch regelmäßige Elternstammtische, Elternausflüge
und Mitgliederversammlungen des Vereins gefördert.
Gemeinsame Arbeitseinsätze lassen den Zusammenhalt
wachsen. Jedes Kind nimmt mindestens alle zwei Jahre
an einem 8- bis 14-tägigen Landschulheimaufenthalt
teil. Begleitung der Kinder bei Arztbesuchen sowie regelmäßige
Besuche bei Klinikaufenthalten sind für uns selbstverständlich.
Auf Wunsch der Eltern feiern wir in der Schule in enger
Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kirchengemeinden gemeinsam
Erstkommunion, Firmung und Konfirmation.
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Familienentlastende Dienste |
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"Eigentlich müsste
ich schon seit einem Jahr ins Krankenhaus, mich einer
Operation unterziehen, aber ich kann ja nicht, es ist
ja keiner für meinen schwerbehinderten Sohn da."
Diese Äußerung einer Mutter war der Anlass
für die Einrichtung des "Familienentlastenden
Dienstes" mit Hilfe von dafür eigens in der
Schule angelernten Zivildienstleistenden und Praktikantinnen
unter Anleitung einer Heilpädagogin und einer Kinderkrankenschwester.
Für ein Entgelt haben die Eltern die Möglichkeit,
eine Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es stundenweise,
über mehrere Stunden, Tag und Nacht oder auch über
Wochen. Dabei ist es unerheblich, ob die Eltern die
Entlastung im Krankheitsfall, für ein Familienfest,
Theaterbesuch, Urlaub, um eine Ausbildung zu beginnen
oder einen Beruf auszuüben, benötigen. Der
Familiendienst gibt Eltern Sicherheit und die nötige
Kraft, ihre Kinder möglichst lange in der eigenen
Familie betreuen und pflegen zu können und lange
nicht in ein Heim geben zu müssen.
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In den Ferien wird die Schule umgeräumt für
die Tagesbetreuung. In den Sommerferien wird sie zusätzlich
für einen Heimbetrieb hergerichtet. Unsere Zivildienstleistenden
und Praktikantinnen und eigens dafür eingestellte
Erzieherinnen verbringen dann zusammen mit unseren behinderten
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen jeweils zwei Wochen
in der Goethestraße 31. So können Eltern
einmal gemeinsam Urlaub machen. Für viele Eltern
ist dies nach 10, 15 oder 20 Jahren der erste Urlaub.
Mittlerweile ist die Kurzunterbringung über 20
jhre alt und damit eine feste Einrichtung. Der Verein
hat erreicht, die räumlichen und finanziellen Voraussetzungen
dafür zu schaffen, dass die Kurzunterbringung nicht
nur während der Ferien, sondern während des
ganzen Jahres durchgeführt werden kann.
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Eines muss deutlich gesagt werden: Ohne das Wohlwollen
und die tatkräftige Hilfe des Oberschulamtes Freiburg,
der Stadt Freiburg, des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald,
des Landeswohlfahrtsverbandes, der Aktion Mensch, der
Stiftung Hilfswerk für das behinderte Kind hätten
wir dies alles nicht schaffen können. Ganz wesentlich
für unsere Arbeit sind auch die ideelle, praktische
und materielle Hilfe, die wir durch fördernde Mitglieder
erfahren, seien es Privatpersonen, Vereine oder Firmen.
Alle zusammen ermöglichen uns, Behinderten, unabhängig
vom Einkommen der Eltern, eine Betreuung und Förderung
zukommen zu lassen, die geprägt ist von der "Achtung
vor dem Kind und in der Liebe zum Kind".
Gerd Mannes, Sonderschulrektor
( aus: Jubiläumsinfo 25 Jahre Janusz-Korczak-Schule)
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